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Dirigent, der Stimmen zusammenführt: Ein Abend mit dem Bitburger Bürgermeister Joachim Kandels

Es ist einer dieser richtig schwülen Sommerabende. Er wollte schnell noch das Hemd wechseln, der Tag war lang, auf der B 51 hat ein LKW gebrannt. Und da war natürlich auch Bürgermeister Joachim Kandels, um sich über die Lage zu informieren. „Was die Wehrleute leisten, kann man ihnen gar nicht hoch genug anrechnen“, sagt Kandels Stunden nach dem Brand. Da sitzt er im Eifelbräu, weniger förmlich als sonst, im kurzärmeligen Hemd.

„Das ist eine unserer besten Adressen und die haben eine sehr gute Küche“, begründet er die Wahl des Treffpunkts. Da die Terrasse an dem Abend vom Lions Club belegt ist, sucht Kandels einen Tisch in der Braustube aus. Auf großes Händeschütteln auf der Terrasse verzichtet er. Kein großer Auftritt, er hält sich lieber zurück. „Ich wollte der bleiben, der ich auch vorher war“, sagt der 49-Jährige. Und doch hat das Amt ihn verändert – allein schon wegen der vielen Erlebnisse und Begegnungen.


Drei Bundespräsidenten hat Kandels kennengelernt – 2010 war Horst Köhler in Bitburg, 2011 Christian Wulff, und 2012 traf er Joachim Gauck in Berlin – Kultursommer und Stadtjubiläum wurden gefeiert und etliche Projekte auf den Weg gebracht. Doch das ist an diesem Abend nicht Thema. Es geht um den Privatmann Joachim Kandels. Und das ist jemand, der ein gutes Essen zu schätzen weiß.

Es gibt überbackenen Ziegenkäse an Cherrytomaten und Rucola vorneweg, zum Hauptgang einen Herrensalat mit Rinderfilet. Dazu: Sprudel. Kein Wein, kein Bier: „Wenn ich noch fahren muss, verzichte ich auf Alkohol.“ Das Essen schmeckt trotzdem.

Wenn er die Zeit findet, kocht und backt Kandels auch selbst gern. Ob Reibekuchen, Tafelspitz, Erdbeer-Marmelade oder Spaghetti Bolognese („unbedingt etwas Nelke in die Soße“): Seine Repertoire ist groß. Auch am Grill legt er auf – Steaks ebenso wie Garnelen oder Spargel. Erst am Wochenende hat er mit seinen Töchtern Rhabarberkuchen gebacken. Ein Handy-Video zeigt die Kleinen beim Teigrühren mit ihrem Vater.

Kandels ist Familienmensch und legt trotz oder auch gerade wegen der Herausforderungen des Amts viel Wert auf Zeit mit seiner Frau und den Kindern: „Ich fühle mich sehr beschenkt durch meine Familie, die gibt mir Halt und Kraft und ist für mich ein Anker.“ Ein weiterer: der Glaube. „Das ist mir schon wichtig“, sagt Kandels, der regelmäßig in die Kirche geht und sich früher als Messdiener, in der Jugendarbeit, im Kirchenchor sowie als Leiter des Kinderchors von Liebfrauen engagiert hat. Er war auch über Jahre Vorsitzender des Pfarrgemeinderats.

Und dann ist Musik seine große Leidenschaft. Jahrzehnte war er Mitglied im Musikverein Bitburg, hat Euphonium (vergleichbar mit einem Tenorhorn) gespielt, später lange Jahre dirigiert und ist noch heute Ehrendirigent. Doch zum Musizieren kommt er inzwischen kaum. „Unsere Älteste lernt Blockflöte, da spielen wir schon mal Duett“, erzählt Kandels. Längst ist der Hauptgang serviert, das Getränk: immer noch Sprudel.

Viel Freiraum bleibt ihm bei den langen Arbeitstagen („zwölf Stunden sind keine Seltenheit“) für Hobbys nicht: „Die Zeit für Privates muss man sich bewusst nehmen. Das Amt ist schon sehr einnehmend.“ Er legt Wert darauf, mit seiner Familie zu frühstücken, fährt die beiden älteren Töchter in die Kita und kommt zum Mittagessen zurück in sein Zuhause in Stahl, wo er seit 2014 mit seiner Familie lebt. „Da fühlen wir uns sehr wohl“, sagt Kandels, der auch rund ums Haus anpackt: Er mäht den Rasen, hat einen kleinen Nutzgarten, zieht Dahlien und legt Kräuterbeete an.

Sich selbst beschreibt Kandels so: „Ich habe ein gutes Gespür für Stimmungen. Ich bin ein offener und hilfsbereiter Mensch, der sich kümmert und sorgt, aber auch ein musisch-kreativer Mensch mit Weitblick.“ Und was würde seiner Einschätzung nach seine Frau Maria wohl über ihn sagen? „Dass sie den besten Mann der Welt hat“, antwortet darauf Kandels genauso überzeugt wie spontan.

Als er 2009 erstmals in Bitburg kandidierte – 2001 hatte er sich schon mal in Neuerburg beworben – sei er von Mitgliedern der CDU angesprochen worden, ob er sich das vorstellen könne: „Da geht man schon eine Weile mit schwanger, aber ich habe viel Zuspruch bekommen.“ Unter fünf Bewerbern setzte sich Kandels, damals parteilos mit Unterstützung der CDU, schließlich in der Stichwahl mit mehr als 60 Prozent durch. Obwohl er 2014 in die CDU eingetreten ist, ist ihm wichtig „ein Bürgermeister für alle zu sein“. Das sei er auch aus seiner Zeit als Dirigent gewöhnt: „die Vielfalt der Stimmen zusammenführen, so dass etwas Gemeinsames entsteht“.

Für ihn ist es eine „besondere Ehre“ Bürgermeister seiner Heimatstadt sein zu dürfen, in der er geboren und aufgewachsen ist. An Bitburg schätzt er „die Übersichtlichkeit und Unkompliziertheit, die kurzen Wege und die Weltoffenheit“. Vor dem Bürgermeisteramt, sagt er, habe er nach wie vor jeden Tag Respekt: „Es ist ein schönes Amt, in dem man viel gestalten kann und mit vielen Menschen in Kontakt kommt.“ 

Videostatement

Quelle: www.volksfreund.de vom 29.06.2017